Von der mittelalterlichen Rundburg zur Renaissanceperle
Schloss Ampfurth ist mehr als ein geschichtsträchtiges Bauwerk. Es ist ein lebendiges Zeugnis deutscher Geschichte, das die Jahrhunderte überdauerte und heute in neuem Glanz erstrahlt.

Die bewegte Vergangenheit von Schloss Ampfurth
Schloss Ampfurth blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich als mittelalterliche Burganlage erbaut, wurde es im frühen 17. Jahrhundert von der Adelsfamilie von der Asseburg in ein Renaissanceschloss umgewandelt. Die Architektur des Schlosses, die kunstvoll gestalteten Portale, der markante achteckige Treppenturm und die Schlosskirche mit Epitaphien und Altarbild von Adam Offinger zeugen noch heute von der einstigen Bedeutung dieser Anlage.

Von der Burg zur Schlossanlage
Die ältesten urkundlichen Hinweise auf eine Burg in Ampfurth stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. 1257 gelangte sie in den Besitz der Erzbischöfe von Magdeburg, die sie als wichtigen Verwaltungssitz nutzten. Spätestens im 14. Jahrhundert wurde die Burg von sogenannten Burgmannen verwaltet – adeligen Lehnsmännern, die den Schutz und Erhalt der Anlage sicherstellen sollten.
Was heute als stimmungsvolles Renaissanceschloss erstrahlt, war einst eine mittelalterliche Burganlage, strategisch errichtet im Herzen der fruchtbaren Börde.
Die Asseburger und der Umbau zur Renaissance-Residenz

Im Jahr 1381 übernahmen die Herren von der Asseburg die Verwaltung der Burg, 1483 erwarben sie sie vollständig. Unter ihrer Leitung begann Anfang des 17. Jahrhunderts der Umbau der mittelalterlichen Burg zu einem Schloss im Stil der Renaissance.
Von 1608 bis 1615 entstand auf den Grundmauern der alten Burg das heutige Schloss im Stil der Renaissance. Zahlreiche Details – wie kunstvoll gestaltete Portale, Maskenornamente, die Fassadengestaltung im Stil der Weserrenaissance und das charakteristische Sitznischenportal mit Doppelwappen – sind bis heute erhalten und lassen die Handschrift dieser Epoche erkennen.
Einer der auffälligsten Bestandteile ist der achteckige Treppenturm, der später noch eine ganz besondere Rolle spielen sollte.
Preußischer Besitz und die Zeit der Telegrafie
Im 18. Jahrhundert kam es zu einem Besitzerwechsel: Der verschuldete Friedrich Aswin von der Asseburg musste Schloss Ampfurth verkaufen. Nach mehreren Zwischenstationen gelangte es 1715 in den Besitz von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen. 1736 wurde das noch heute erhaltene Amtshaus errichtet.

Ein besonderer technikgeschichtlicher Moment begann im Jahr 1833: Der achteckige Treppenturm des Schlosses wurde zur Station 16 der königlich-preußischen optischen Telegrafenlinie von Berlin nach Koblenz umgebaut. Dafür wurde der Turm auf 27 Meter erhöht und mit einer außenliegenden Wendeltreppe ausgestattet. Das „Stationszimmer“ im sechsten Stock diente fortan der schnellen Fernkommunikation. Innerhalb von nur 90 Minuten konnten Nachrichten über die gesamte Strecke von fast 600 Kilometern übermittelt werden.
Das einstige Telegrafenzimmer bietet einen der schönsten Ausblicke über die Magdeburger Börde.
Zeugen der Geschichte
Noch heute zeugen zahlreiche architektonische Details von der langen und wechselvollen Geschichte Schloss Ampfurths: das kunstvoll gearbeitete Torhaus mit seinen Masken und Löwenköpfen, der achteckige Treppenturm mit seinem Sitznischenportal und Doppelwappen, sowie die Schlosskirche mit ihren eindrucksvollen Epitaphien der Familien Asseburg und Hortleder.

Renaissance in der Gegenwart
Mit dem Erwerb durch die Familie Boggess im Jahr 2023 beginnt für Schloss Ampfurth nun ein neues Kapitel. Mit viel Leidenschaft und Hingabe wird die Anlage saniert, um sie wieder zu einem lebendigen Ort der Begegnung, der Erholung und des kulturellen Austauschs zu machen. Ziel ist es, nicht nur die Baukunst vergangener Jahrhunderte zu bewahren, sondern einen Ort zu schaffen, an dem Geschichte, Kultur und Begegnung in lebendiger Form erfahrbar werden.
Die Renaissance lebt weiter – dank der Menschen, die ihre Geschichte bewahren und mit neuen Ideen füllen.





